Beweidung & essbarer LEBENsRAUM — neu
Hier findest du einen außergewöhnlichen und gut durchdachten Ansatz — Er trifft einen realen Förderpfad, den bisher kaum jemand auf dem Radar hat. Sehen wir uns das Projekt „Beweidung & essbarer LEBENsRAUM — neu definiert“ im Detail an.
Warum dieser Ansatz wissenschaftlich richtig ist
Der größte Bedrohungsfaktor für Testudo hermanni in Kroatien ist nicht der Straßenverkehr — es ist die natürliche Sukzession durch Aufgabe von Beweidung und traditioneller Landwirtschaft. Die Studie zur Verbreitung der Artenvielfalt in Kroatien (2023) ist eindeutig: Ohne offene Grasland- und Halboffenhabitate kollabiert die Population, weil die Wildtiere wie Schildkröten Wärme, Nahrung und Eiablageplätze in offenem Karst finden — nicht im dichten Macchie-Gebüsch. Das Gebiet zwischen Vrbnik und Risika liegt im dichtesten bekannten Vorkommen auf Krk — und ist genau durch Landflucht und Nutzungsaufgabe seit den 1960ern zunehmend verbuscht.

Die Hänge zwischen Vrbnik, Risika und dem Dobrinj-Gebiet. Genau dieser Charakter — Hangdörfer mit Terrakottadächern, eingebettet in grüne Vegetation, mit dem Meerblick und den Bergen im Hintergrund — prägt das Gelände zwischen Vrbnik, Risika bis zum Flughafen Rijeka und der Brücke auf der Insel KRK.
Das dreischichtige Projektmodell
Schicht 1 — Beweidungswiederherstellung (Naturschutz + Kompensation)
Holzer-Permakultur und Testudo hermanni-Schutz verfolgen auf Karstflächen dasselbe Ziel: Offene, strukturreiche Landschaft mit Wasserspeicherung. Die Synergie ist direkt:
- Schweine als Pioniere (Holzer-Methode): Verwurzelungsarbeit öffnet verbuschte Flächen, schafft Bodenstruktur, bereitet Beweidungsflächen vor
- Schafe/Ziegen traditioneller Rassen (Dalmatinisches Hausschaf, Krk-Ziege): Halten Trockenrasen offen — exakt das Habitat, das Testudo hermanni braucht
- Natürliche Dämme nach Holzer: Wasserretentionsstrukturen in Karstdolinen speichern Regenwasser → Mikroklima → Vegetationsvielfalt → höhere Habitatqualität Permakultur
- Teiche in Dolinen: Doppelt wirksam — Wasserversorgung Weidevieh + Lebensraum für Amphibien (ebenfalls Natura-2000-Schutzgüter)

Schicht 2 — Organisationsstruktur Community + Foundation + Limited
Das dreischichtige Rechtsmodell ist für diesen Zweck in Kroatien optimal strukturierbar:
| Ebene | Rechtsform | Funktion |
|---|---|---|
| Gemeinnützige Foundation (Zaklada) | Stiftung nach hrv. Zakon o zakladama | Empfänger EU-Fördermittel (LIFE, EAFRD), Treuhänder Landfonds, steuerbefreit |
| Limited (d.o.o.) | Kroatische GmbH | Betrieb Landwirtschaft, Tierhaltung, Permakultur-Dienstleistungen, Tourismus, kommerzielle Aktivitäten |
| Community (Udruga) | Kroatischer Verein | Bürgerbeteiligung, Freiwilligenarbeit, Citizen Science (Schildkröten-Monitoring), Open-Source-Wissenstransfer |
Die Foundation und die Limited teilen sich die Aufgaben (Land, Nutzungsrechte, Finanzierung, Bewirtschaftung), die Community partizipiert über soziales Kapital und Beteiligungskapital — und alle drei befruchten sich gegenseitig nach dem Open-Source-Prinzip: dokumentierte Methoden, replizierbare Modelle, öffentliche Daten.
KenFM im Gespräch mit: Erwin Thoma ("Strategien der Natur")
Schicht 3 — EU-Förderpfade
Das ist der entscheidende Hebel. Das Projekt trifft drei EU-Förderfenster gleichzeitig:
A) LIFE Natur und Biodiversität
- Direkt für Natura-2000-Habitatwiederherstellung bestimmt
- Fördert innovative Methoden zur Habitatrestaurierung
- Citizen Science + Monitoring ausdrücklich erwünscht
- Förderquote: 60–75% der Projektkosten (NGOs/Stiftungen)
- Bewerbung: direkt bei EU-Kommission, nächste Calls 2026/2027
B) EAFRD / Kroatischer Strategischer Plan 2023–2027 (GAP)
- Zahlung für agri-environment-climate measures (AECM) auf Natura-2000-Flächen
- Speziell für extensive Beweidung auf Schutzgebieten: bis 600 €/ha/Jahr Prämienzahlung
- Zusatzprämie für Natura-2000-Flächen (+10–20% auf AECM-Basis)
C) Natura-2000-Kompensation für Plava magistrala
- Das Projekt kann als offizielle Kompensationsfläche für die Plava magistrala beim Ministerium angemeldet werden
- HAC (Kroatische Straßen) muss Kompensationsmaßnahmen finanzieren — privatrechtlicher Vertrag möglich
- Die Limited übernimmt die Pflege gegen Entgelt, Foundation hält die Schutzrechtsbindung
Die Holzer-Methodik auf Karstflächen Vrbnik/Risika
Josef Andreas Holzer führt den Krameterhof seit 2009 und bietet aktive Beratung für internationale Projekte über holzerpermaculture.com. Sepp Holzer hat in ähnlichen Karstregionen (Slowenien, Dalmatien) gearbeitet — der mediterrane Karst ist nicht sein Heimatgebiet (subalpiner Karst am Krameterhof), aber die Grundprinzipien sind übertragbar.
- Wasserretentionslandschaft: Karstdolinen zwischen Vrbnik und Risika als natürliche Damm-Standorte — Wasser, das heute direkt ins Meer abläuft, wird gehalten
- Terrassierung: Hanglagen (Vrbnik liegt auf ~50–80 m Höhe) über dem Meer — Terrassenanbau mit autochthonen Obstarten (Feige, Olive, Mandel, Granatapfel) schafft Strukturvielfalt
- Mischwaldpflanzung: Keine Monokulturen — Steineiche, Flaumeiche, Manna-Esche, Kornelkirsche als Schattenspender und Nahrungsquelle gleichzeitig für Testudo hermanni
- Schweine als Bodenöffner: Erst dann Beweidung mit Schafen/Ziegen — klassische Holzer-Sequenz

Das Projekt hat das Potenzial, das erste replizierbare Open-Source-Permakultur-Kompensationsmodell im adriatischen Natura-2000-Raum zu werden — ein Leuchtturmprojekt, das weit über Krk hinaus Strahlkraft hat und genau in die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 passt.
